StartseiteZwangsstörungZwanghaftes Verhalten

Zwänge können sich in vielen Arten des Verhaltens zeigen: Waschzwang (Sauberkeitsfimmel), Zählzwang, Kaufzwang, Redezwang, Kontrollzwang etc.

Besonders lästig können auch Denkzwänge sein (man denkt immer wieder bestimmte an sich sinnlose Sätze oder Phrasen oder Zahlenfolgen) oder generell der Zwang zum Grübeln und Sinnieren.

Als ich erstmals in Berlin wohnte und als Student noch kaum jemand kannte und mich vereinsamt fühlte, musste ich nach dem Verlassen der Einraum-Hinterhof-Wohnung im Wedding wieder von der Straße oder bisweilen sogar vom U-Bahnhof zurückkehren um zu Überprüfen, ob ich den Herd ausgemacht und die Tür wirklich abgeschlossen hätte. Später kam hinzu, dass ich, so bald ich bei einem Bäcker vorbeikam, hineingehen und ein Stück Kuchen kaufen musste. Nur dann fühlte ich mich sicher und konnte den Tag bewältigen.

Aber diese Symptome verschwanden. Wie geschah das? Ich unternahm viel um emotionale Spannung abzubauen, um andere Menschen kennen zu lernen und Erfüllung meiner sozialen Bedürfnisse zu erfahren. Die Ursache für derartige Symptome ist meist ein Mangel an Liebe, ein Mangel an sozialem Kontakt, an sozialer Einbindung, Einsamkeit.

Das Dilemma des durch Zwang gestörten Menschen ist, dass die Scham über das Verhalten verhindert, dass man sich Menschen nähert. Es ist ein Teufelskreis. Habe ich das Symptom, weil ich Liebe vermisse? Oder vermisse ich Liebe, weil ich Symptome habe?

Ein Weg sind Selbsthilfegruppen. Die Menschen mit ähnlichen Symptomen treffen sich und geben sich gegenseitige Erfüllung der Bedürfnisse, soweit das möglich ist. Aber das erzeugt ein neues Dilemma. Die Basis für die Beziehung ist das Symptom, welches man so beseitigt. Damit entzieht man der Beziehung die Grundlage und schon ist man wieder, wo man zuvor war.

Wie habe ich selbst es damals gemacht, wie habe ich mich vom zwanghaften Verhalten befreit? Nun, ich war jung und frisch in einer großen Stadt. Ich unternahm viel um Menschen, Freunde, potenzielle Sexualpartner, kennen zu lernen. Ich ging zu allen möglichen Aktivitäten, die eine emotionale Entladung durch Ausdruck und Ausagieren ermöglichten. Sobald ich täglich Aikido und/oder Dynamische Meditation trainierte, in eine Wohngemeinschaft zog, eine Freundin hatte, war das Zwangsverhalten gemildert oder eigentlich zumeist verschwunden.

So einfach war es natürlich nicht. So einfach ist es nicht. Es ist ein gewisser Kampf zur Befreiung nötig. Und wenn sich das Verhalten zu einer Persönlichkeits-Störung ausgewachsen hat oder wenn es sich zu OCD, „Obsessive Compulsive Disorder“ entwickelt hat, brauchen wir schon eine richtige Therapie, in der die tieferen Ursachen des Verhaltens oder der Persönlichkeitsstörung aufgelöst werden können.

Selbsthilfe: Wie genau läuft das Verhalten ab? Wann tritt es wo auf? Welche Bedürfnisse sind unerfüllt und werden so, ersatzweise befriedigt?

Letztere ist die Knack-Frage. Wir reden besonders von Sozialen Bedürfnissen. Das Zwangsverhalten ist eine Art Liebes-Ersatz. Wir geben uns etwas. Wir drücken ein Bedürfen aus. Wir brauchen Aufmerksamkeit. Unser Inneres Kind, unser Unterbewusstsein, meldet sich auf diese Weise an uns selbst, an das agierende Erwachsenen-Ich.

Einige Verhalten dienen dem Schutz oder drücken das Gefühl von Bedrohung aus. Sie sind Abwehr. Meist sind sie Abwehr innerer Impulse.

Wir finden heraus, was unerfüllt ist und ergründen die Ursachen. Welche Glaubenssätze verhindern, dass wir es uns geben, geben lassen? Welche Emotionen wollen wir nicht fühlen und machen es so unmöglich, dass die Energie entladen und das Symptom befreit wird?

Wir können uns natürlich auch umprogrammieren, NLP. Wir finden heraus, wie die unterbewusste Strategie abläuft. Wie nehmen wir den Auslöser wahr? Wie genau geben wir uns den Impuls zu dem Verhalten? Wie kommentieren wir das Verhalten? Was wäre ein alternatives Verhalten? Mit Mentalen Repräsentationen und Quatom-Therapie installieren wir die bessere Strategie und sind zumindest vorerst von dem zwanghaften Verhalten befreit.

Eventuell tritt es in anderer Form wieder auf, eventuell nutzen wir die Zeit der Freiheit von dem Zwang um unser Leben so zu verändern, dass wir erfüllte Sozialbedürfnisse leben können.

Und es kann es auch wert sein eine umfassendere Innenschau zu machen und die tieferen Ursachen zu heilen. Mit der von uns entwickelten Variante von NLP, dem Noëdo, währt eine solche tiefere Therapie der Persönlichkeit auch keine Jahre mehr wie beim Psychoanalytiker auf der Couch. Wir kommen in zehn oder zwanzig Sitzungen schon sehr tief und weit.

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