StartseiteAllgemeinMentale Vorbereitung auf die dunkle Jahreshälfte

Es beginnt die dunkle Hälfte des Jahres. Der Sommer ist vorbei. Das Wetter wird schlechter. Wie wollen wir denken und wahrnehmen, sodass wir nicht depressiv oder depressiver werden ob der trüberen Jahreszeit?

Der Grundtenor dieses Artikel soll sein: Es ist so, wie du es mental repräsentierst. Wenn du glaubst, dass Herbst und Winter dir nicht gut tun, dann werden sie das auch nicht. Wir müssen also vor allem bewusst so denken und wahrnehmen, dass wir positiv auf die Jahreszeit eingestellt sind.

Als Kind habe ich gern gezählt. Und ich hatte das Glück genau gegenüber von Weihnachten, also Ende Juni, geboren zu sein. Ich zählte also die Tage bis zu meinem Geburtstag oder bis zum Weihnachtsfest. Beides waren die Höhepunkte des Jahres, denn an diesen Tagen gab es Geschenke. Im September freute ich mich schon auf Heiligabend.

Das ist wohl auch eine der Funktionen des Weihnachtsfestes: Es bringt Licht und Freude und Heimeligkeit in die Zeit mit der wenigsten Sonne.

In Kanada ist es im langen Winter kalt. Wenn man Kanadier indes fragt, wie sie das aushalten, sagen viele: „Wieso, Winter ist doch die beste Zeit. Da kann ich wintersport amchen, Eishockey spielen.“ Okay, ich ahbe sie zu Neujahr im warmen Cancun oder Varadero gefragt, aber die kandieer gönnesich diesne Ausflug ins Warme um sich dann umso begeisterter in den kanadischen winter z sutürzen. Heizulande sind die Witnersrporttelr wahrscuienlich auch schon gespannt auf lange Abfahrten die Psiten herutner.

Aber Kanada liegt meist vergleichsweise südlich und trotz der Kälte scheint oft die Sonne bei blauem Himmel. Das kann man eher aushalten als ein grau verhangener Herbsthimmel mit Sturm und Nieselregen.

Ich habe mal eine Zei in Indien gelebt. Die Jahreszeiten sind da eher Regenzeit oder keine Regenzeit. Als ich zur gewohnten Herbstzeit in der warmen Sonne saß, vermisste ich doch etwas. Dann fand ich ein vergilbendes Blatt und war voller Heimweh: Herbst in Europa, verfärbende Blätter, Kastanien, Kinder die mit Laternen herumlaufen. Ist es nicht wunderschön an einem Herbstabend einen Einkaufsbummel in der Fußgänger-Passage zu machen?

Die dunkle Jahreshälfte ist die Zeit, in der man nach innen geht, in der man von der Arbeit des Säens, Hegens und Erntens lebt und am Feuer sitzt und sich fragt, was es noch gibt, was der tiefere Sinn ist, was und wer man ist, wo man herkommt, wo es hingeht. Unsere Vergänglichkeit wird uns bewusst, da um uns herum eben alles zu vergehen scheint.

Der Mensch, der sich seines Todes bewusst ist, der jederzeit eintreten kann, lebt intensiver. Wir sollten das nicht verdrängen, sondern uns des Werts des Menschen, der uns nahe ist, bewusst sein. Dieser Mensch oder wir selbst können jeden Tag diesen Körper verlassen, sei es durch Alter oder Unfall oder Unglück oder wie auch immer. Unsere Zeit ist endlich. Wir wissen nicht wirklich, ob es unser einziges Leben hier ist, ob es eine andere Ebene ist, zur der wir zurückkehren, ob unsere Reise weitergeht. Es könnte seen, dass wir diesen Menschen nie wieder sehen und sollten jeden Moment bewusst erleben und den unermesslichen Wert dieser Begegnung fühlen.

Im Herbst rücken wir zusammen und wärmen uns und das ist schön. Und es ist auch wunderbar, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem die Tage wieder heller und länger werden und wir eine große Vorfreude auf den Frühling haben können. Der Mensch in den Tropen freut sich auf den Regen, blühen und sprießen tut es sonst immer. Wir Menschen in der Herbst- und Winterwelt haben eine intensive Vorfreude auf die ersten warmen Tage des Frühlings. Diese Vorfreude gäbe es ohne die dunklen und kalten Tage nicht. Ohne den Tod und den Abschied gäbe es die Intensität der Liebe nicht.

Aber natürlich ist es wichtig die innere Repräsentation der dunklen Jahreszeit in einen hellen, freundlichen Rahmen zu stellen. Als eine innere Sonne, ein Kaminfeuer, ein Lächeln in deiner Erwartung dieser Jahreshälfte sein.

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