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Was wollen wir? Wollen wir eine starke Persönlichkeit oder wollen wir über unsere Persönlichkeit hinauswachsen, zu unserem wahren Selbst vorstoßen und auch über dieses hinaus?

Die Persönlichkeit überwinden, loslassen, auflösen?

Nun, dieses Reden von Transzendenz, vom Überwinden der Persönlichkeit, wird Ihnen vielleicht merkwürdig vorkommen. Diese Sichtweise kommt von den mystischen und spirituellen Übungswegen. Der Mystiker sieht die Persönlichkeit, das Ich, als ein künstlich erschaffenes Selbst-Konzept, welches der Einheit mit dem Ganzen im Wege steht. Wir fühlen uns umso getrennter von der Welt, desto stärker unsere Persönlichkeit ist. Aber die Richtigkeit dieser Aussagen will ich bezweifeln und schauen, ob eine Integration der starken Persönlichkeit mit der des Mystikers machbar ist.

Wahn und Erleuchtung

Menschen ohne Persönlichkeit, ohne Ego, ohne Ich, haben meist Probleme mit der Welt und landen in der Psychiatrie. Die Ähnlichkeit des mystischen Zustands mit dem eines Schizophrenen ist erforscht und beschrieben worden. Aus Angst vor dem Zerfall und dem Wahn vermeiden die meisten Menschen mystische Zustände. Nein, so stimmt der letzte Satz nicht. Die meisten Menschen suchen sehr wohl mystische, ekstatische Zustände: sie nehmen Drogen oder Alkohol. Und irgendwie im Wahn scheint eigentlich fast jeder zu sein. Aber hier ist die Ekstase von außen herbeigeführt und vorübergehend. Der Mensch landet wieder in seinem bekannten Ich und findet sich in der Welt zurecht.

Mystiker sind geschult darin die Persönlichkeit transparent zu machen

Warum wird der Mystiker nicht verrückt? Nun, meist hat er eine langjährige Schule hinter sich, hat Übungen und Exerzitien gemacht, hat es gelernt die Grenzen zwischen sich und der Welt loszulassen ohne auszuflippen. Der Wahn, das Ausflippen, kommen von einem gestörten Verstand. Der Meditierende ist darauf vorbereitet ohne diesen Verstand zu sein und erreicht so auf natürliche Weise mystische Zustände.

Bei einer spirituellen Persönlichkeitsentwicklung sollten wir also zum einen Meditation und Gedankenleere sowie Selbst-Beobachtung, Awareness, kontinuierlich üben. Vor allem aber müssen wir innerlich aufräumen bevor wir uns dem Chaos der Welt-Energie voll öffnen.

Ego = gestörte, verfestigte Persönlichkeit

Was der spirituelle Lehrer oder Meister als „Ego“ bezeichnet, ist meist die gestörte Persönlichkeit. Die Psychotherapie kennt einige Persönlichkeitsstörungen, wie zwanghafte, ängstliche, anti-soziale oder depressive Persönlichkeitsstörung. (Mir erscheint das bestehende System unsystematisch und ich mache mir Gedanken darüber, wie man Persönlichkeitsstörungen besser klassizifieren kann, aber einige Ansätze gibt es da auch schon und ich schaffe dieses Projekt eventuell so schnell nicht.) Es heißt auch, dass jeder normale Mensch zu einem gewissen Grad eine Persönlichkeitsstörung hat. Mit diesem „Ego“ verpacken wir die Schmerzen und negativen Gefühle aus erlittenen Schädigungen in uns. Wir wehren nach dem freudianischen Modell unerwünschte Triebe ab um in unserer Welt nicht dumm aufzufallen, um die Gebote unserer Umgebung mit den Bedürfnissen in uns in einen Einklang bringen zu können.

Eine starke, gesunde Persönlichkeit ist die Grundlage für mystische Höhenflüge

Es gibt aber durchaus so etwas wie eine gesunde, starke, charismatische Persönlichkeit. Deshalb gehen wir zu Trainings und entwickeln uns. Ich habe sehr viele Trainings und Therapiegruppen besucht, bin NLP-Lehrtrainer geworden und würde sagen, dass sich meine Persönlichkeit im Vergleich zu der, bevor ich so etwas unternommen habe, sehr entwickelt hat. Ich habe mehr Wahlmöglichkeiten in bestimmten Situation, ich sehe die Welt, wie sie ist (wie weiß ich das?), und ich bin in der Lage gesunde soziale Beziehungen zu meinen Mitmenschen zu haben.

Jetzt sagt der spirituelle Meister, dass ich das sein lassen soll. Ich bräuchte gar keine Persönlichkeit, auch oder eventuell sogar vor allem nicht die gut entwickelte und geschulte, die ich aufgebaut habe.

Da habe ich indes Einwände. Ich will weiterhin in dieser modernen Welt leben und überleben und sogar Erfolg haben können. Ich will nicht abgeschieden im Kloster, in der Höhle, leben müssen. Das Modell des verrückten Mystikers kommt aus vergangenen Zeiten, aus vor-technischen Kulturen. Es ist nicht zeitgemäß. Ich will eine Spiritualität des 3. Jahrtausends.

Ich will Zustände wählen können

Wir können sehr wohl eine starke Persönlichkeit haben und mystische Erfahrungen machen, ja sogar so etwas wie erleuchtet sein. Meiner Erfahrung nach ist der Zustand der Persönlichkeit, der als „Erleuchteter“ bezeichnet wird, meist ein Spiel des „kleiderfreien Kaisers“. Es wird etwas, dessen Überprüfbarkeit negiert wird, vorgegaukelt, was Jünger und Schüler und zahlende Stauner einbringt. Ich will Zustände wechseln können. Ich will sie der Situation angemessen wählen können. Ich will eine starke Persönlichkeit sein, wenn ich in Business-Verhandlungen bin. Und ich will von dieser Persönlichkeit frei sein können, wenn ich in Meditation und mystischem Erleben bin.

Als erstes heilen wir unser Ich und befreien uns von Süchten und Zwängen

Aber die meisten Menschen sind am anderen Ende der Persönlichkeitsentwicklung. Sie sind gefangen in Süchten und Zwängen. Sie kämpfen gegen eine erstarrte Persönlichkeit, die ihnen anerzogen wurde, die ein Kompromiss aus den Anforderungen der Gesellschaft und den natürlichen Bedürfnissen eines Menschen ist.

Wir beginnen den Weg zum Übermenschen im Sinne Nietzsches, zum Buddha, zur Realisierung unseres vollen Potenzials, also, indem wir unsere Persönlichkeit flüssig machen, indem wir neue Möglichkeiten der Einstellung und des Zustandes hinzufügen, indem wir uns von Sucht und Zwang befreien.

Der erste Schritt ist also das Bewusstsein. Wir können nur etwas verändern, flüssig machen, flexibilisieren, wenn wir uns der Störung oder der Erstarrung bewusst werden. Diese Bewusstheit ist der Schlüssel und auch das letztendliche Tor.

In gewisser Weise ist der Mensch mit Persönlichkeitsstörung, sofern er oder sie sich dieser bewusst werden kann, der Mensch mit der größten Chance den Motor der Persönlichkeitsentwicklung so anzuwerfen, dass es ihn oder sie bis in den Himmel trägt.

Wird fortgesetzt und ist ein erster Baustein zu einem Buch zur Persönlichkeitsentwicklung.

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